Traumatherapie EMDR 2018-05-24T17:03:33+00:00

Traumatherapie EMDR

Die Zeit heilt alle Wunden – was für ein Missverständnis! (cst)

Sich mit schlimmen, aber vergangenen Erlebnissen auseinander zu setzen scheint sinnlos zu sein, denn jeder weiß: am liebsten denkt man nicht mehr daran. Dann stören sie einen nicht weiter. Bloß: Das stimmt nicht. Im Gegenteil. Je mehr man versucht, den Erinnerungen auszuweichen, umso drängender schieben sie sich als Blitzlichter, Erinnerungsfetzen, kurze heftige Gefühlsausbrüche in den Alltag, so als würde das alles gerade eben passieren. Auch wenn die Erlebnisse ewig zurückliegen, reicht ein kleiner Auslöser und – zack – sind die Gefühle und Bilder wieder da.
Dabei müssen diese Erlebnisse nicht wirklich lebensbedrohlich oder desaströs gewesen sein. Auch die vermeintlich kleinen Erlebnisse wie starke Kränkungen, sehr peinliche Situationen oder Demütigungen können einen ein Leben lang verfolgen.

Mit EMDR löst man die Koppelung der Erinnerung an die heftigen Gefühle. So gelingt es dann, an das Geschehen oder die beteiligten Personen zu denken, ohne wieder im Gefühlschaos zu landen.

Das Verfahren wurde zunächst für die ganz schlimmen Vorfälle entwickelt. Mittlerweile werden erfolgreich auch andere Themen behandelt wie sehr kränkende (aber nicht im eigentlichen Sinne traumatische) Erlebnisse, Enttäuschungen, Demütigungen, peinliche Ereignisse o.Ä. sowie Schmerzen und Allergien (wie Pferdehaarallergie).

Wann hilft EMDR noch?

* Peak-Performance-EMDR: Vom Trauma zum Triumph. Das klingt plakativ und dennoch: der Auftritt wird oft durch alte, nicht vergessene oder vergebene Kränkungen, Peinlichkeiten oder Demütigungen gebremst. Das muss nicht sein. Schon mit einigen EMDR-Sitzungen lassen sich Blockaden erfolgreich aus dem Weg räumen.

* EMDR bei Schmerzen: Schmerzen brennen sich irgendwann in die Seele ein, kommen andauernd und quälend. Mit EMDR erleben Sie den Schmerz als leichter.

* EMDR bei Allergien: Die Allergie ist eine Angst des Immunsystems vor dem Allergen und die Folge ist die allergische Reaktion.  Mit EMDR wird dieser Mechanismus ausgehebelt.

Was hilft außer EMDR bei Traumatisierungen?

Den inneren Abstand zum Geschehenen mit Hilfe sog. innerer Bilder zu vergrößern ist das Ziel von Stabilisierungsübungen. Dies ist bei sehr belastenden Ereignissen oft noch vor der eigentlichen EMDR-Therapie oder parallel dazu von Bedeutung.

Biofeedbacktrainings bieten wir zur Symptomkontrolle des häufig bei einer Traumatisierung auftretenden „Hyperarousals“ (= andauernde Stressreaktion) an. Dieses Wiederfinden einer „Selbstwirksamkeit“ ist für viele Traumatisierte ein Aha-Erlebnis.

Fast immer setzen wir Körperwahrnehmung und Körperübungen ein: Denn  Traumaerlebnisse werden auch als Körpergefühle erinnert. Dies bleibt unbewusst und verursacht ähnliche Körperreaktionen in oft ganz anderen Zusammenhängen und scheinbar aus heiterem Himmel. In den Übungen geht es darum, die Körpersignale schneller zu erkennen, sie ruhiger wahrzunehmen und anders zu reagieren.

Was passiert beim EMDR?

In der EMDR-Sitzung wird eher wenig gesprochen,  entscheidend ist, dass der Prozess läuft. Viele Betroffene haben Angst davor, alles im Detail schildern zu müssen. Das ist gar nicht nötig. Es kommt nur so viel zur Sprache wie es braucht. Unser Fokus liegt auf dem Bild/ der Situation/ dem Körpererleben mit den zugehörigen Gefühlen. Dann können diese Erinnerungen verarbeitet werden.

Haben Sie nur einzelne traumatische Situationen erlebt, wie zB einen Unfall, dann braucht es meist nur ein paar wenige EMDR-Sitzungen. Je heftiger die Gefühlsaktivierung  durch Auslöser ist, umso leichter erreicht man die Thematik und kann die Verarbeitung anstoßen.

Bei vielfach und anhaltend traumatisierten Menschen ist immer eine begleitende psychiatrische oder psychotherapeutische Behandlung nötig, die EMDR-Sitzungen finden im Rahmen eines Gesamtkonzeptes statt. Hierbei werden meist deutlich mehr Sitzungen nötig, um Effekte zu erzielen. Der Erfolg allerdings ist dann nachhaltig und häufig sehr erfreulich, weil Altes endlich einmal alt sein darf und losgelassen werden kann. Viele Patienten beschreiben dies als erstaunlich erleichternd und befreiend.