Die Menschen sehen alle mit den gleichen Augen; aber ihr Standpunkt ist verschieden (Aus China)
Auf dieser Seite möchten wir Ihnen gerne rein aus unserer ureigenen Sicht neue Erkenntnisse vorstellen, eigene Erfahrungen mitteilen, Meinungen vortragen oder anderer Meinungen kommentieren. Insofern spiegelt diese Seite allein unsere Sicht der Dinge wider und vieles kann natürlich auch ganz anders gesehen werden. Wir wünschen Ihnen viel Spaß mit unserer Meinung!
Falls Sie ein bestimmtes Thema besprochen haben möchten, schreiben Sie uns eine email! Wir werden sehen, was wir tun können.
Wenn Sie gerne mehr lesen möchten, finden Sie alle alten Beiträge in unserem Meinungsarchiv
Eintrag 4 im Juli 2011:
Burnout oder nicht?
War es der Stress, der uns eineinhalb Jahre daran hinderte, eine Meinung kundzutun? Es ist heutzutage schon herausfordernd, allen Ansprüchen von Außen und noch mehr den eigenen zu genügen.
Jüngst schrieb in der Augsburger Allgemeinen Kathrin Löther in ihrem Artikel „Brennende Fragen“ über den Chef einer psychosomatischen Klinik, der sich beklagte, dass in seiner Klinik zu viele Patienten lägen, die eigentlich gar keine seien. Die aber vom eher nebulösen und so breit akzeptierten „Burnout“ profitierten. Jeder, liest man zwischen den Zeilen, der sich also ein bisschen mehr anstrengt, darf auch ein Burnout haben und meint, sich eine Auszeit nehmen zu müssen. Nein: nicht im Urlaub oder am Wochenende, sondern in der Klinik!
Wir in unseren Praxen sehen solche Menschen nie. Denn wer geht schon zum Psychiater, wenn er eigentlich keine psychische Krankheit hat? Die Menschen, die uns aufsuchen, haben einen guten Grund. Manche unter ihnen kommen mit der mittlerweile schon ruinösen „Diagnose“ Burnout. Die Gänsefüßchen bedeuten, dass Burnout keine Diagnose ist, es handelt sich bestenfalls um ein Syndrom (Ansammlung von Beschwerden). Konsequenterweise verweigern nun immer wieder Krankenkassen ihren Versicherten das Krankengeld oder verzögern andere Leistungen, wenn sie unter einer solchen Nicht-Diagnose krankgeschrieben wurden. Denn so die Logik: "Burnout" ist keine Diagnose, also kann keine Krankheit vorliegen, also ist zu Unrecht eine Krankschreibung erfolgt, und dem Patienten wird mehr oder weniger direkt unterstellt zu simulieren. Nun ist es das Wesen der echten Depression, dass man Dinge schleifen (Antriebsmangel), sich leicht aus der Ruhe bringen lässt (Gereiztheit) und dann gar nichts erledigt. So verschlimmert sich die Situation eines unter der Nicht-Diagnose Burnout krankgeschriebenen Menschen durch völlig unnötige Fehleinschätzung. Wir sehen immer wieder Patienten, die trotz dieser Nicht-Diagnose auch Medikamente verschrieben bekommen, die nur für eine diagnostizierte (und vom Arzt somit bei der Krankenkasse dokumentierten) mindestens mittelschweren (!) Depression zugelassen sind. Über kurz oder lang wird es also gar nicht anders gehen, als dass jeder Arzt eine Depression als Depression bezeichnen muss, wenn es eine ist. Alle anderen Menschen sollten sich fragen, wie sie mit ihrem Stress umgehen, mit den vielen Anforderungen unseres heutigen Alltags, in dem Zeit das höchste Gut geworden ist. Noch vor der Gesundheit? cst
Eintrag 3 im November 2009:
Die psychische Krankheit als Tabu - am Beispiel Robert Enkes
Eines unserer Anliegen ist, die psychische Krankheit aus ihrer Schmuddelecke zu holen und zu vermitteln, dass auch psychisch Kranke ganz normale Menschen wie Du und Ich sind. Wie sehr das Tabuisieren dieser Formen von Krankheit zum Problem werden kann zeigt sehr eindrücklich der tragische Tod von Nationaltorwart Robert Enke. Sicher ist es ein Stück weit oberflächlich, zu sagen, dass wenn er seine Depressionen hätte öffentlich ansprechen können, es ihm besser gegangen wäre. Sicher ist aber, er sah für sich in seiner Position keine Möglichkeit, das Thema auch nur in Bruchstücken preiszugeben. Das heißt, er hatte nicht nur mit seinen Ängsten, Depressionen und den damit verbundenen Symptomen zu kämpfen, sondern damit, es ja immer gut zu vertuschen. Niemand durfte es ihm anmerken. Wer jemals depressiv war, oder jemanden kennt, der depressiv ist, der wird verstehen, dass dieser zusätzliche Kraftaufwand eigentlich nicht zu leisten ist. Es laugt den Kranken noch mehr aus, als es die Krankheit eh schon tut. Das ist fürwahr eine Hölle. Wahrscheinlich ist die enorme Anteilnahme an seinem Tod auch ein Zeichen dafür, dass nun so mancher etwas von dieser Hölle ahnt. cst