Eintrag 3 im November 2009:
Die psychische Krankheit als Tabu - am Beispiel Robert Enkes
Eines unserer Anliegen ist, die psychische Krankheit aus ihrer Schmuddelecke zu holen und zu vermitteln, dass auch psychisch Kranke ganz normale Menschen wie Du und Ich sind. Wie sehr das Tabuisieren dieser Formen von Krankheit zum Problem werden kann zeigt sehr eindrücklich der tragische Tod von Nationaltorwart Robert Enke. Sicher ist es ein Stück weit oberflächlich, zu sagen, dass wenn er seine Depressionen hätte öffentlich ansprechen können, es ihm besser gegangen wäre. Sicher ist aber, er sah für sich in seiner Position keine Möglichkeit, das Thema auch nur in Bruchstücken preiszugeben. Das heißt, er hatte nicht nur mit seinen Ängsten, Depressionen und den damit verbundenen Symptomen zu kämpfen, sondern damit, es ja immer gut zu vertuschen. Niemand durfte es ihm anmerken. Wer jemals depressiv war, oder jemanden kennt, der depressiv ist, der wird verstehen, dass dieser zusätzliche Kraftaufwand eigentlich nicht zu leisten ist. Es laugt den Kranken noch mehr aus, als es die Krankheit eh schon tut. Das ist fürwahr eine Hölle. Wahrscheinlich ist die enorme Anteilnahme an seinem Tod auch ein Zeichen dafür, dass nun so mancher etwas von dieser Hölle ahnt. cst
Eintrag 2 im August 2009:
Feldenkrais-Thementag Gehen am 27. Juni 09 mit Birgit Lang
„Wenn jemand sich bewusst bewegt, bewegt er sich richtig“, sagte Moshé Feldenkrais. Das hieß für uns Teilnehmer: Frau Lang, unsere Feldenkrais-Leiterin macht uns nichts vor, sie gibt uns mündliche Anweisungen, die sie erweitert, wenn ein Teilnehmer zu sehr abweicht. Und tatsächlich gerät man in einen Fluss der Bewegung, der nicht gestört wird durch das Bedürfnis es „richtig“ zu machen. Das entlastet enorm und ermöglicht, seinen Körper, dessen Spielräume in der Bewegung und sich selbst etwas besser kennen zu lernen. Am Ende des Tages fühlten sich alle Teilnehmer bewegt und entspannt, und als ob jeder einen Kopf größer geworden wäre. cst
Eintrag 1 im April 2009:
Das rechte Atmen fördert innere Balance
Kürzlich fiel uns ein HongKonger Gesundheitsmagazin in die Hände. Dort stach ein Zitat des berühmten Lao Tse ins Auge: „Der perfekte Mensch atmet, als würde er nicht atmen“ (frei aus dem Englischen übersetzt). Genau mein Credo! Alle meine Patienten widmen sich beim Biofeedback mittlerweile der anfangs lästigen Übung der rechten Atmung, bei dem die Bauchatmung die Brustatmung komplett ersetzen soll (zumindest während der Übungsphasen). Denn ich habe beim Anleiten der Übungen sehr schnell festgestellt, dass alle Befindlichkeit letztendlich ganz wesentlich von der Atmung abhängt. Anfangs war ich – was das rechte Atmen angeht – eher nachsichtig und war zufrieden, wenn langsamer als zuvor geatmet wurde. Das hat sich aber nicht bewährt: Wertvolle Zeit verging mit halbherziger Übung. Und so wurde ich strenger bei der Anleitung zum rechten Atmen als Grundlage für alles Weitere und völlig unabhängig von Grund und Ursache meiner Konsultation. Streng sein ist hierzulande verpönt, aber der Erfolg, den viele der Patienten in kürzester Zeit aufwiesen, die meiner Strenge folgten, übertraf selbst meine Erwartungen und bestätigte meine Theorie: Ich gehe davon aus, dass eine Zielatemfrequenz von 4-5 Atemzügen/min angestrebt werden soll. Die meisten meiner Patienten zeigen übrigens zu Beginn der Behandlung 15 bis 20 Atemzüge (in Ruhe pro Minute) vorwiegend in Form von Brustatmung und dies völlig unabhängig von den geschilderten Beschwerden (Kopfschmerzen, Tinnitus, Konzentrationsstörungen, Ängste, Panik, Herzschmerzen, Bluthochdruck etc). Meine Theorie weiter: Nur bei der niedrigen Atemfrequenz (AF) und konsequenter Bauchatmung ist gewährleistet, dass die Herzaktivität sich reflexartig beruhigt, die Hände sich erwärmen und eine Balance im autonomen (unabhängigen) Nervensystem Sympathicus-Parasympathicus entsteht, das zuständig ist für innere Aktivierung oder Beruhigung. cst